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HVB BKK Mitglied Christoph Arthofer beim Ironman Hawaii 2008

Immer nur nach vorne schauen!

HVB BKK Mitglied Christoph Arthofer beim Ironman Hawaii 2008
HVB BKK Mitglied Christoph Arthofer beim Ironman Hawaii 2008

3,86 km schwimmen, 180 km radeln, 42,2 km laufen – bei extremem Gegenwind, über 40°C und 80% Luftfeuchtigkeit: HVB BKK Mitglied Christoph Arthofer war beim Ironman Hawaii 2008. Hier berichtet er exklusiv von seinen Erlebnissen.

Erlebnis Ironman
Es gibt weltweit mittlerweile diverse extreme Ausdauerveranstaltungen bzw. Rennen.  Von Läufen durch Wüsten, Radrennen quer durch irgendwelche Kontinente bis hin zum Schwimmen durch diverse Wasserstraßen. Der Ironman Hawaii ist und bleibt aber für mich die Mutter aller Ausdauerwettkämpfe. Selbst Nicht-Sportler verbinden Triathlon automatisch mit Hawaii. Seit nunmehr 30 Jahren findet jedes Jahr dieser Triathlon statt.  Hierbei werden 3,86 km geschwommen, 180 km Rad gefahren und 42,2 km gelaufen. Für den Ironman Hawaii muss man sich bei einem von über 20 Ironmanrennen, die rund um den Erdball stattfinden, qualifizieren. Je nach Austragungsort schaffen dann nur die besten 1-3% der jeweiligen Altersklasse (5-Jahressprünge) die Qualifikation für Hawaii. Der Ironman Hawaii ist dann zum Abschluss der Saison die Weltmeisterschaft.

Was ist eigentlich das besondere auf Hawaii? Klar, es ist die Weltmeisterschaft und schließlich ist es das Ziel eines jeden ambitionierten Sportlers daran teilzunehmen. Hawaii gilt zudem auch als besonders schwer, weil im Meer, ohne Neoprenanzug geschwommen wird, beim Radfahren fast immer ein sehr starker Wind weht und dann noch der Marathon bei teils über 40 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von über 80% zu laufen ist.  Daneben ist Hawaii die Inselgruppe die weltweit am weitesten vom nächsten Festland entfernt liegt und die aktivsten Vulkane der Welt hat. Das alles macht irgendwo den Mythos Hawaii aus.

Nun zu meinem Rennen:
Der Wecker klingelte am Samstagmorgen, den 11. Oktober um kurz nach 3.00 Uhr. Nach einem Mini-Frühstück fuhr ich ein paar Meilen mit dem Auto bis zur Startzone im Ort Kailua-Kona. Dort wird man noch mit der Startnummer bemalt, kontrolliert nochmal sein Rad und bereitet sich mental auf das Rennen vor. Mein Problem bis dorthin war, dass ich noch nichts hatte, worauf ich mich fokussieren konnte. Sich auf Hawaii ein Zeitziel zu setzten macht keinen Sinn, weil man nicht weiß, welche Bedingungen an dem Tag herrschen. Außerdem ging es für mich um nichts mehr. Die nötigen Zeiten und Platzierungen hatte ich vorher erreicht. Hawaii sollte einfach nur die Belohnung für langes, hartes und v.a. zeitintensives Training über die ganze Saison hinweg sein. Teils habe ich während einer normalen Arbeitswoche noch bis zu 25 Std. trainiert. Teilweise auch mit 3 Trainingeinheiten pro Tag. Morgens vor der Arbeit eine Stunde laufen und am Abend dann Radfahren und Schwimmen.


Der Startschuss: mit 1.800 Menschen im Wasser
Um 6.30 Uhr wurde dann der Zugang zum Schwimmstart geöffnet. Um 6.45 Uhr ging ich dann auch ins Wasser und konnte genau noch den Sonnenaufgang hinter dem Vulkan Hualalai ansehen. Punkt 7.00 Uhr fiel dann der Startschuss. Der Schwimmstart auf Hawaii wird aufgrund der knapp 1.800 gleichzeitig, auf engem Raum startenden Menschen und dem sprudelnden Wasser auch als "die größte Waschmaschine der Welt“ bezeichnet. Das Schwimmen im Pazifik ist trotz der kleinen "Schlägereien“, die unvermeidbar sind, superschön. Man kann fast immer bis zum Meeresbodens blicken und die ein oder anderen bunten Fische sehen. Nach 1:06 Std. war das Schwimmen dann auch schon wieder vorbei.

Wind von allen Seiten
Sofort geht es weiter auf das Fahrrad. Nach kurzer Zeit hat man sich dann auch schnell an den anderen Bewegungsablauf gewohnt. Die Radstrecke verläuft parallel zur Küste auf dem Highway mit seinen lang gezogenen Wellen in den Norden der Insel. Nach ca. 30 km fängt dann auch der Wind kräftig zu blasen an. Die letzten ca. 10 km bis zum Wendepunkt im Norden der Insel geht es dann zusätzlich stetig bergauf. Richtig stark und böig wird der Wind dann auf dem Rückweg. Ich musste teils richtig aufpassen, dass es mir nicht das Vorderrad aus der Hand schlägt. Mit starkem Wind bei uns ist der Wind auf Hawaii nicht zu vergleichen. Die Radstrecke auf Hawaii ist vom Profil her mit ca. 1.500 Höhenmetern eigentlich nicht schwer aber es gibt einfach keine Möglichkeit sich auch nur mal ein paar Sekunden auszuruhen. Keine Abfahrt, an der man mal kurz lockerer treten kann. Aufgrund des starken Windes fährt man die kompletten 180 km "auf Druck“ und auch der Oberkörper arbeitet ununterbrochen gegen die Winde. Im Laufe des Tages kommen dann natürlich die immer höher kletternden Temperaturen hinzu. Nach mehr als der Hälfte der Strecke sah ich dann das erste Mal auf meine Durchschnittsgeschwindigkeit. Gut 34 km/h. Nun hatte ich dann auch mein Ziel, dass ich erreichen wollte. Wenn ich dieses Tempo halte, habe ich für den abschließenden Marathon noch 3:30 Std. Zeit, um insgesamt unter 10 Std. zu bleiben. Eigentlich problemlos machbar. Nach ca. 5:21 Std. war dann auch das Radfahren überstanden.

Nach einem kurzen Wechsel in frische Kleidung und in die Laufschuhe ging`s dann gleich weiter. Jetzt merkt man erst wie heiß es eigentlich ist. Angeblich hatte es am Nachmittag an manchen windstillen Flecken bis zu 42 Grad. Ich habe mich dann auch an jeder Verpflegungsstation mit  Wasser überschüttet. Bereits zu Beginn des Marathons merkte ich, dass das heute kein optimaler Lauf wird. Auch die Laufstrecke auf Hawaii ist nicht die Leichteste. Es gibt permanent längere Wellen die man rauf und runter läuft. Eigentlich liegt mir so etwas aber heute wollten meine Beine nicht so recht. Nach ca. 16 km an der Küste läuft man wieder hoch auf den Highway, der einem endlos erscheint. Wie auch auf der Radstrecke gibt es hier keinen Baum oder Strauch, der einem kurz Schatten spendet. Die Sonne brennt lächelnd auf einen herunter. Nach dem letzten Laufwendepunkt blickte ich wieder auf die Uhr. Es lagen noch ca. 11 km vor mir und ich hatte noch 1 Stunde Zeit, um unter 10 Stunden zu finishen. Das sollte doch locker machbar sein aber man weiß ja nie, was am Ende noch alles passieren kann. Es haben sich auf Hawaii auf den letzten hundert Metern schon Tragödien abgespielt. Auch ich merkte, dass es ab und zu in
der Wade zu zwicken begann. "Nichts mehr riskieren“ dachte ich mir und dehnte mich auf den letzten Kilometern noch 2-3 Mal.

Gute Gesamt-Platzierung
Ca. 2 km vor dem Ziel läuft man dann die letzte lange Welle am Highway hoch. Hat man die dann geschafft, hört man schon die Lautsprecher aus dem Zielbereich und man bekommt unweigerlich eine Gänsehaut. Jetzt war mir klar, dass nichts mehr passieren würde. Ich lies meine Anspannung abfallen und genoss die letzten paar hundert Meter mit den jubelnden Zuschauern. Der Zielkanal am Alii-Drive gilt als "the greatest Finishline on earth“ und die genoss ich ausgiebig. Den Marathon bekam ich dann in nicht ganz zufriedenstellenden 3:17 hin aber mit einer Gesamtzeit von 9:51 Std. und Platz 247 von fast 1.800 Startern war ich richtig zufrieden.

Viele werden sich fragen, warum man sich so etwas antut. Klar, so ein Rennen geht einem schon an die Substanz und der Tag vergeht nicht ohne Schmerzen. Es ist auch eine entsprechend lange Vorbereitung nötig, bevor man sich an eine Triathlon Langdistanz wagen sollte aber soviel Zeit- und Trainingsaufwand es auch kostet, man bekommt ein Vielfaches an Kraft und Selbstvertrauen wieder zurück.

Weitere Informationen zu meiner Vorbereitung und dem kompletten Aufenthalt auf Hawaii incl. diverser Fotos gibt es unter www.christoph-arthofer.de

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